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Wichtige Bausteine der Pädagogik - Überforderung und ihr Folgen



Im vorausgegangenen Beitrag haben wir uns mit dem Thema „weniger ist mehr“ beschäftigt und auf welche Bereiche sich diese Aussage anwenden lässt. Wir haben zudem darauf hingewiesen, dass eine große Flut an Reizen zur Überreizung und in Folge dessen zur Überforderung des Kindes. Doch was sind die möglichen Auswirkungen dieser Überreizungen beziehungsweise Überforderungen? Auf diese Frage möchten wir heute ein wenig genauer eingehen.


Kinder können auf verschiedene Arten und Weisen auf Überforderungen beziehungsweise Überreizung reagieren. Dabei ist es wichtig das Kind zu kennen, da sich Reaktionsmuster auch im Kleinen und im Alltäglichen oftmals in weniger starker Ausprägung präsentieren. Je besser wir ein Kind kennen und sein Gefühlsleben und seine Reaktionen kennen, desto besser können wir einschätzen was hinter Verhalten steckt und ob es eine Reaktion auf außergewöhnlich hohe Belastungen ist oder nicht.


Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass jeder Mensch ganz unterschiedliche Belastungsgrenzen hat und mit Stress, denn in der Quintessenz ist Überforderung eine Form von Stress, anders umgeht. Bei Kindern und Jugendlichen können wir zudem unterschiedliche Strategien beobachten die genutzt werden, um den durch die Überforderung/Überreizung entstandenen Stress zu kompensieren. Je jünger das Kind, desto instinktiver und grundsätzlicher ist ihre Reaktion. Schon Säuglinge können Überforderung ausdrücken, indem sie anfangen zu weinen. Sie signalisieren damit ihren Betreuungspersonen deutlich, dass etwas nicht stimmt und fordern Hilfe bei der Bewältigung ein. Auch Kleinkinder weinen bei Überforderung und suchen Hilfe, jedoch können durch verschiedene Faktoren und Erfahrungen (wie zum Beispiel emotionale Vernachlässigung) auch extremere Verhaltensweisen auftreten. Schreien, Schlagen, Beißen, Treten oder mit Dingen werfen sind typische Muster von Kleinkindern. Sie entstehen durch wiederholtes „alleine fühlen“ mit Stress und fehlender Unterstützung durch Bezugspersonen. Je häufiger Stress auftritt und keine Hilfe von außen in Form von Regulation oder Schutz erfolgt, desto mehr festigen sich extremere Reaktionsmuster. Es gibt auch Kinder die schon in früh anfangen sich selbst zu verletzen. Sie reißen sich an den Haaren, beißen sich selbst oder hauen ihren Kopf irgendwo vor.


Bei älteren Kindern verdeutlichen sich die Reaktionsmuster durch körperliche Gewalt, gegen andere oder sich selbst, exzessives Schreien oder selbstverletzendes Verhalten. Bei Teenagern eröffnet sich dann ab einen gewissen Punkt die Möglichkeit mit Alkohol- oder Drogenkonsum die ausgelösten Gefühle zu betäuben und somit vermeintlich zu regulieren.


Um Kindern und Jugendlichen zu helfen gesunde Reaktionsmuster zu entwickeln und Überforderungen zu reduzieren ist es wichtig früh und sensibel auf Warnsignale zu achten. Je früher erkannt wird, dass sich ungesunde Verhaltensmuster festigen und dagegen interveniert wird, desto gesünder in der Folge ist es für das betroffene Kind. Lernen Kinder angemessene Strategien und Reaktionen auf ihre Emotionen und einen gesunden Umgang mit sich selbst und ihren eignen Ressourcen können sie zu selbstverantwortlichen Erwachsenen heranwachsen.


Wichtig dabei ist zu sagen, dass sich Verhaltensmuster oft schon im Kleinen durch Veränderungen im familiären Umfeld erwirken lassen. Fühlen Sie sich als Eltern alleine der Aufgabe nicht gewachsen helfen kostenlose Beratungsstellen (zum Beispiel der Caritas) fot schon weiter. Sollten Sie dennoch feststellen, dass Sie nicht weiterkommen, wenden Sie sich an ihr örtliches Jugendamt. Sie alle haben ein Recht auf Hilfen zur Erziehung und eingesetzte Fachkräfte im häuslichen Umfeld können oft schon viel verändern. Im Zweifelsfall begleiten diese auch Ihren Weg zu einer therapeutischen Anbindung, falls diese erforderlich sein sollte.


Alle Fachstellen sind zudem im Stande mit Ihnen gemeinsam eine Einschätzung abzugeben, ob es sich bei dem Verhalten des Kindes um ein altersentsprechendes oder ein auffälliges Verhalten handelt. Denn nicht jedes Schreien oder Hauen ist direkt ein Problem, manchmal ist es nur eine altersentsprechende Reaktion.


Abschließend lässt sich festhalten, dass es wichtig ist Kindern ihren Raum zu lassen, und nicht jede Minute ihres Tages durchzutakten. Sie brauchen Raum zum Spielen und Lernen und sich zu entwickeln. Achten Sie auf feine Anzeichen für Überforderungen/ Überreizungen und versuchen Sie diese gering zu halten. Wenn es trotzdem ein problematisches Verhalten gibt, scheuen Sie sich nicht, nach Unterstützung zu fragen, dafür gibt es entsprechende Fachkräfte die Ihnen gerne helfen.

 
 
 

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